Ekstase des Sehens

 

Gruppenausstellung, vom 11.02 - 18.03.23 , Vijon art Gallery, 

Pontives 26/I - I-39046 St. Ulrich Gröden

2020, olio su tela, 70 x 70 cm
2020, olio su tela, 70 x 70 cm

Ekstase des Sehens

“Das Bild muss von selbst kommen, es entsteht wie von einer höheren Macht gelenktem Zustand, der äußerste Konzentration mit Impuls vereint“ so beschreibt der deutsche Maler Julius Bissier den Schöpfungsakt. Eine automatische, dynamische Handschrift perfektioniert sich nach jahrzehntelanger Praxis, zu einem sinnigen, höchst konzentrierten Schaffen. Dabei finden, in gleicher Weise, Meditation und Intuition ihre genuine Verbindung.

Ausgehend von der Beobachtung, dass die Sehnsucht nach bewusstseinserweiternden Erfahrungen in allen Gesellschaften zu finden ist, möchte die Ausstellung den künstlerischen Ausdruck der Ekstasen in den Blickpunkt stellen. Ekstase ist eine Form der absoluten Hingabe, die zu einem intuitiven und impulsiven Schöpfungsakt führt. Dieses anthropologische, universelle Phänomen, erweckt enormes Potenzial. Aus Gefühlserregungen werden Bilder. Künstler*innen suchen nach metaphysische Trancezustände, den Zustand, indem das Ich verschwindet und die rein schöpferische Kraft Bahn brechen kann.

Der technische und wissenschaftlichen Fortschritt unserer globalisierten Gesellschaft, mit fortschreitenden Entzauberung der Lebenswelt, verstärkt die Bedeutung der ekstatischen Erlebnisse, die kontinuierlich neu verhandelt werden müssen. „Ekstasen eröffnen“, so der Schriftsteller Robert Musil, „die Möglichkeit eines anderen Lebens, es ist dies eine Begründung ihrer verführerischen Eigenschaft“. Die Ekstase ist ein besonderes, immersives Ereignis für die Sinne, welches seelische Zustände des Außer-sich-Seins herbeiruft und in eine antirationelle Gegenwelt führt.

Über Jahrtausende hat dieses Phänomen Menschen fast aller Kulturkreisen in den Bann gezogen. Strategien der Ekstasen sind über Jahrhunderte praktiziert worden und haben zumal kultische Formen entwickelt. Seit der Antike wird die transzendente Erfahrung mit dem künstlerischen Schaffensprozess in Verbindung gebracht. Mittels der Kunst kann so die Konfrontation mit dem Unbekannten, dem Unnennbaren und Ungreifbaren nachempfunden und damit anschaulicher gemacht werden. Es ist die epochenübergreifende, immer wieder in Frage gestellte Behauptung, dass Kunst in der Lage ist, Wahrnehmung und Bewusstsein zu verändern und damit eine Annäherung an ekstatische Momente zu ermöglichen. Dabei wird Ekstase mit so unterschiedlichen Feldern wie Religion, Okkultismus, Inspiration, Körpererfahrung, Sexualität, Drogen, oder Medizin in Verbindung gebracht und häufig mit dem kreativen Akt verschränkt.

Ekstatische Erlebnisse können ambivalente Gefühle zum Ausdruck bringen. Im Rausch liegen Höhenflug und Fall, Hochgefühl und Schmerz, Schaffensdrang und Wahn, spirituelle Grenzüberschreitung und körperliche Selbstzerstörung, Befreiung und Abhängigkeit, Leben und Tod, immer wieder verstörend nahe beieinander. Das Außer sich Sein stellt einen verheißungsvollen Zustand dar, der sich dem gefordertem Gesellschaftsduktus widersetzt. Ekstasen gelten heute gemeinhin als Ausbruch aus dem normierten Alltag. In dieser Auslegung werden sie herbeigesehnt und zugleich abgelehnt, denn es birgt die Gefahr eines aus der Norm fallenden Individuums oder gar Kollektivs.

Ob in der heutigen Gesellschaft jenseits der sachrationalen Alltagsordnung und der zum Ausgleich medial inszenierte Massenspektakel überhaupt Raum für ekstatische Erfahrungen im engeren Sinne bleibt, ist dahingestellt. Die bildende Kunst ist sicherlich eines jener kulturellen Felder, die diese Freiheit noch am ehesten zulässt.

Ausstellende Künstler:

Rabeah Mashinchi, Johannes Bauer, Hermann Nitsch, Cornelia Lochmann, Andrea M. Varesco, Thaddäus Salcher, Michael Grebner und Rinaudo Nahuel.

Kurz zu den ausstellenden Künstler:

Das gefühlsbetonte Kunstschaffen Thaddäus Salchers zeigt eine feinteilige, bis ins kleinste Detail, sinnige Malerei. Es widerspiegelt sich darin seine persönliche Erkundung und Erfahrung.

Andrea M. Varescos mannigfaltiges Farbspektrum belebt die Ausstellung mitsamt ihrer atmosphärischen Farbtemperaturen. Im Mittelpunkt stehen poetische Wirkungsweisen von Licht und Farben.

Cornelia Lochmanns Kunstwerke zeigen wie eng die zunächst als traumhaft, anmutenden Gemälde mit ihrer Lebenswirklichkeit verbunden sind. Sie nehmen uns mit, auf abenteuerliche, unverwechselbare Gefühlserlebnisse.

Hermann Nitsch, eines der bedeutenden Vertreter des Wiener Aktionismus, steht in der Ausstellung als Symbolfigur der ekstatischen Kunst. Seine explosiven Malvorgänge, sind beispielhaft für die Freiheit von Emotionen.

Johannes Bauer mystische Farbwelt öffnet dem Betrachter ungewöhnlich, spannende Interpretationsmöglichkeiten. Seine Werke sind bedingungslose Quellen ekstatischer Freiheit.

Betörende Farben und magische Räume bieten uns die Kunstwerke von Nahuel Leander Rinando.  Es sind komplexe Farbwelten, in denen man sich verirren kann.

Rabeah Mashinchis gestische Malereien zeigen einen ausgesprochenes Farbgefühl. Flüchtige Wahrnehmungen und Empfindungen, führen zu einem bewegungsreichen, impulsiven Schöpfungsakt.

Michael Grebners Kunstswerke bieten eine immersive Auseinandersetzung mit dem Unbewussten und machen bewusstseinserweiternde Erfahrungen erlebbar. Flüchtige, zeitlose Abbilder der Erinnerung sind in bildhaften, atmosphärischen Welten festgehalten.

 

Vijon art Gallery, Pontives 26/I - I-39046 St. Ulrich Gröden